"Je früher die Patienten zu uns kommen, desto effektiver können wir sie behandeln und desto besser können wir helfen“, sagt Frank Maier. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie am CaritasKlinikum Saarbrücken St. Theresia redet vom Schlaganfall: „Da zählt jede Minute, denn jeder Schlaganfall ist ein Notfall.“
Im Saarland erleiden pro Jahr etwa 4700 Menschen einen Schlaganfall. Rund 500 von ihnen wurden im vergangenen Jahr im CaritasKlinikum behandelt – Tendenz steigend. Seit 15 Jahren gibt es hier eine zertifizierte Schlaganfallstation, eine so genannte ‚Stroke Unit‘. „In der Stroke Unit werden die Patienten mit einem erhöhten Personalschlüssel besonders intensiv betreut. Unmittelbare Diagnostik, kontinuierliche Überwachung, gezielte Therapie, frühzeitige Rehabilitation“, zählt Chefarzt Maier die Schritte auf. „Das ärztliche und pflegerische Personal arbeitet dabei eng mit den Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und dem Sozialdienst zusammen. So können wir eine optimale, fachbereichsübergreifende Betreuung gewährleisten.“ Ziel der Stroke Unit ist es, in sehr kurzer Zeit durch strukturiertes Vorgehen, zu behandeln, die Ursachen des Schlaganfalls abzuklären und dadurch zu verhindern, dass bleibende Schäden entstehen oder weitere Schlaganfälle auftreten.
Seit Jahren ist die Zahl der Patienten, die frühzeitig mit einem Schlaganfall ins CaritasKlinikum kommen, steigend. Der Grund: „Durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit, das wachsende Bewusstsein in der Bevölkerung und die Schulung des Rettungsdienstes kommen die Patienten immer früher zu uns. Das ist gut, denn nur in den ersten Stunden können wir wirksame Therapieverfahren einsetzen, die schwere Folgeschäden verhindern können“, betont Frank Maier. „Auch leichtere und vorübergehende Symptome müssen ernst genommen werden, um gezielt die Ursachen zu suchen und durch präventive Maßnahmen weitere, schwerere Schlaganfälle verhindern zu können.“
Um den steigenden Fallzahlen Rechnung zu tragen, wurde im vergangenen Jahr mit der Rezertifizierung der Stroke Unit die Bettenzahl von vier auf sechs aufgestockt. „Denn der Bedarf ist definitiv da“, sagt Maier.
Neben dem Chefarzt arbeiten drei Oberärzte und acht Assistenzärzte in der Klinik für Neurologie. Seit einigen Jahren ist die Stroke Unit auch räumlich an die Neurologie angegliedert. „Wir haben jetzt alles auf einem Flur konzentriert. Das hat nicht nur logistische Vorteile, sondern die Patienten können nach den ersten Tagen der Akutbehandlung in enger Nachbarschaft weiterbetreut werden und haben damit auch eine Konstanz beim therapeutischen Personal.“
Die Behandlung von Schlaganfall-Patienten ist allerdings nur eine Säule der Neurologie, wie Chefarzt Frank Maier deutlich macht: „Im CaritasKlinikum bilden wir das gesamte Fachgebiet ab.“ Der Mediziner hat nach mehrjähriger psychiatrischer Tätigkeit im neurologischen Ausbildungsjahr die Liebe zu seinem jetzigen Fachgebiet entdeckt „Mich begeistert vor allem das analytische Vorgehen. Man muss viele kleine Bausteine zusammensetzen, um den vielfältigen Erkrankungen auf den Grund zu gehen.“ Besonders am Herzen liegt ihm die elektrophysiologische Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen. Die bekannteste ist ALS, aber es gebe eine ganze Gruppe dieser Krankheiten, klärt Frank Maier auf: „Zum Glück liegen bei den meisten Patienten, die nach einer Google-Recherche wegen Muskelzuckungen beunruhigt sind, lediglich harmlose Veränderungen vor.“
Text: Nele Scharfenberg
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